2004Deutlich weniger Tote
Zwei Menschen, ein junger und ein älterer Mann stehen sich gegenüber.
Der Jüngere stellt Fragen, Fragen zur Vergangenheit.
Ja, die Nachbarn waren nett.
Ja, alle; besonders die Syrer, antwortet der Ältere.
Ja, und heute, heute gibt es deutlich weniger Tote und nur noch ab und an sprengt sich jemand in die Luft.
Die Leichen werden regelmäßig beseitigt.
Auch Öl und Wasser sind endlich genug vorhanden.
Aber nach und nach zögert er mit den Antworten. Wird unsicherer, die Fragen werden drängender, persönlicher.
Die Stimmung schlägt um. Der Ältere wird zum Verhörten, muss sich rechtfertigen und gerät zunehmend in Bedrängnis.
Deutlich weniger Tote entführt den Zuschauer in einen totalitären Staat, der einem Überwachungsstaat sehr nahe kommt. Die zugleich lapidare und gespenstisch anmutende Gesprächssituation reflektiert das Leben in einem fremd besiedelten, scheinbar befriedeten Gebiet. Doch das Leben dort ist letztlich nicht mehr als die Kapitulation vor einer fremden Zwangsverordnung, vor einem fremden Gesellschaftssystem. Es ist ein Leben, das versucht, mit einem allgegenwärtigen Notfall, einer stets anwesenden Katastrophe umzugehen.