2002Electronic City
Electronic City lotet die Grenzen zwischen Realität und Fiktion aus. Porträtiert wird das Leben zweier Menschen in einer hoch modernen Welt. Die beiden Hauptfiguren, Tom und Joy, setzen in verschärfter Form die Paarsituation aus Gott ist ein DJ fort. Mehr oder weniger erfolgreich sind sie hoch modern und global im Geschäft und doch unerreichbar. Zwischen Zahlen, Codes und anonymen Funktionsräumen irren sie von Meeting zu Meeting, von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, von Hotelzimmer zu Hotelzimmer. Tom ist einer von vielen Managern „am Ende der Welt“, Joy eine „Standbykraft“ an der Infrarotscannerkasse irgendeiner Flughafenlounge. Beide leben in einer Welt, in der keine Pannen passieren dürfen. In dieser kompliziert codierten Welt führen sie eine absurde Fernbeziehung und werden von einem „Team von etwa 5 – 15 Menschen“ beobachtet, gefilmt und inszeniert.
Richter hebt die Grenzen zwischen Figur, Rolle und Person schrittweise auf, stellt die Grenzen zwischen Realität und Fiktion in Frage. Ist die Geschichte von Joy und Tom echt? Ist sie inszeniert? Oder nachgedreht? Richter karikiert nicht nur eine global vernetzte Funktionswelt, sondern treibt darüber hinaus sein Verwirrspiel vom Schein und Sein auf die Spitze.