2015FEAR
Wie sieht eine Familie heute aus? Was können Begriffe wie „Herkunft“, „Vaterland“ und „Heimat“ in einer globalisierten Welt bedeuten? Mit welchen neuen Bedeutungen können sie gefüllt werden? Die westlichen Gesellschaften leben gleichermaßen in einem Zustand der Angst und des Aktivismus. In ganz Europa macht sich Angst breit, reaktionäre Parteien erstarken, Rechtspopulismus, Chauvinismus und Fremdenfeindlichkeit haben Konjunktur. Befürworter vereinfachter Weltbilder sind auf dem Vormarsch. Hart erkämpfte Errungenschaften werden plötzlich in Frage gestellt: Die EU wird verteufelt, die vierte Gewalt als „Lügenpresse“ diffamiert, sexuelle und kulturelle Unterschiede werden angegriffen, und was es bedeutet, ein Mann, eine Frau oder eine Familie zu sein, wird in den eindimensionalsten Begriffen definiert. Im Kampf um die Gleichstellung der Geschlechter wird insbesondere die Institution der Ehe symbolisch aufgeladen und von denjenigen, die sie verteidigen, als Privileg romantisiert, das bestimmten gesellschaftlichen Gruppen verwehrt werden soll. Ein konservatives Idealbild einer Lebensform wird heraufbeschworen, um zu diskriminieren und sozial auszugrenzen. Gleichzeitig scheinen traditionelle, normative Definitionen von Zugehörigkeit, Nationalität, Religion, Sprache, Kultur, Geschlecht und sexueller Identität zunehmend aufgegeben und individuell neu definiert zu werden.