1998Gott ist ein DJ
In Gott ist ein DJ inszeniert ein Paar sein Leben als Performance, vermarktet seine Gewohnheiten und seinen Alltag. Gott ist ein DJ ist die „Big Brother-Show“ eines Künstlerpärchens; zu einem Zeitpunkt, als die eigentliche „Big Brother-Show“ noch nicht durchs Fernsehen flimmerte.
Nonstop sind die beiden Figuren – „Er und Sie“ – umgeben von Kameras, die ihre Handlungen live ins Internet übertragen. Die beiden bewegen sich innerhalb einer gemeinsamen Spielvereinbarung, performen ihr Leben, sind Darsteller ihrer selbst. Sie stellen Fragen zu Politik, Medien und Gesellschaft, wie etwa: „Was ist deutsch? Was ist Europa? Was macht das Millennium mit uns?“ und immer wieder die – zentrale – Frage: „Was ist echt, was nicht?“ Eine klare Antwort gibt es nicht. Die Suche nach Authentizität bleibt bei Richter die große Sehnsucht der Figuren, die sich immer wieder neu erfinden und neu inszenieren.
Mit diesem Text spürt Richter eine gesellschaftliche Strömung voraus: die exhibitionistische, möglichst authentische Reality-Inszenierung im Fernsehen. Richter hinterfragt die Live-Art- und die Klubkultur, die „intellektuelle“ Präsentation lebender Kunstobjekte sowie deren Vermarktung und Instrumentalisierung durch die Medien. Und entlarvt den modernen Menschen der Jahrtausendwende als taumelndes Chamäleon, skizziert ihn als Patchworkergebnis zahlreicher Wunschidentitäten.