2006Verletzte Jugend
Drei Freunde treffen sich in einer kalten Nacht zu einem exzessiven Wiedersehen, einer Geburtstagsparty in der gemeinsamen Wohnung nach zehn Jahren. Was ist geblieben von den alten Entwürfen und Utopien? Und den großen Liebesschwüren? Und wohin soll es jetzt gehen, wo der Jugendbonus abgelaufen ist, aber das Erwachsensein einfach nicht beginnen will, allmählich müssten mal ein paar Entscheidungen gefällt werden, aber welche? Welche Entscheidungen sind nicht die falschen? Und wohin soll diese ganze seltsame Lebensreise gehen, die so schön exzessiv begonnen hat und der allmählich Kraft und Ideen ausgehen. Eine will heiraten, ein anderer hat beschlossen, nicht mehr zu arbeiten und diesen ganzen Selbstvermarktungs- und-Überarbeiten-bis-zur Erschöpfungs-Wahnsinn nicht mehr mitzumachen. Dann lieber Platten auflegen in entlegenen Clubs, wo sich alle treffen, die nicht mehr mitmachen wollen, irgend eine Art Widerstand noch leisten gegen diesen Ausverkauf aller Ideale, aber welchen und wofür, man wird ja auch älter und es wird ja immer kälter: Holz sammeln für die nächsten Jahre, los, schnell, sonst erfrieren wir.
Die Nacht scheint nicht mehr aufzuhören und das Thermometer fällt, die Heizung ist kaputt und die Tür geht nicht mehr auf: Und die Zeit hält für einen Moment lang an, Stillstand, nur noch Musik, immer wieder dieses eine Lied, „New Grass“ von Mark Hollis, der sich Jahre nach seiner Karriere als Popweltstar in der Klinik wegschloss, um allem Kommerz zu entgehen und an diesem einen neuen perfekten Sound zu arbeiten. Drei exzessive Großstadtkrieger feiern einen seltsam lebenshungrigen Abgesang auf Effizienz, Kommerz, Ehe, und Kinderkriegen, und alles, was das Leben nicht mehr lebenswert sein lässt auf der Suche nach den letzten unerschöpften Reserven.