NEVER FOREVER

PREMIERE 09/09/2014
Schaubühne Berlin

»Falk Richter lässt in seinem neuen Stück wieder selbstgequälte notorische Beziehungsphobiker auftreten. Es ist das Thema, in dem er zuhause ist […] Während die Schauspieler die Wortkaskaden des Textes zum Leben erwecken, zeigen die Bewegungen der Tänzer, welche wallenden Kräfte in den Körpern stecken.«

Simone Kaempf auf nachtkritik.de vom 09/09/2014

»Falk Richter lässt in seinem neuen Stück wieder selbstgequälte notorische Beziehungsphobiker auftreten. Es ist das Thema, in dem er zuhause ist […] Während die Schauspieler die Wortkaskaden des Textes zum Leben erwecken, zeigen die Bewegungen der Tänzer, welche wallenden Kräfte in den Körpern stecken.«

Simone Kaempf auf nachtkritik.de vom 09/09/2014

»Falk Richter lässt in seinem neuen Stück wieder selbstgequälte notorische Beziehungsphobiker auftreten. Es ist das Thema, in dem er zuhause ist […] Während die Schauspieler die Wortkaskaden des Textes zum Leben erwecken, zeigen die Bewegungen der Tänzer, welche wallenden Kräfte in den Körpern stecken.«

Simone Kaempf auf nachtkritik.de vom 09/09/2014

#lonely
Eine Therapeutin fühlt, wie ihr Leben außer Kontrolle gerät; sie schafft es nicht, sich von ihrer Klientin abzugrenzen. Sie löst sich auf, wird zu dieser Frau, einer Borderlinerin, die zerrissen zwischen den Extremen lebt, zu laut, distanzlos, aggressiv ist – und dann wieder keine Nähe aushält, plötzlich in Online-Welten und Social Media Foren abtaucht. Ein Vater will seinen Sohn sehen – seine Exfrau hat ihn auf die Straße gesetzt und jetzt bricht sich eine unkontrollierte Wut in ihm Bahn. Halt findet er in der Begegnung mit einem echten Menschen. Ein Philosoph lernt seine Vorlesung für den nächsten Tag auswendig – er verachtet seine Studenten, die unentwegt auf ihr Smartphone starren, keine Umwege, Nebengedanken mehr aushalten, nur Highlights hören wollen. Und spürt schlaflos den Verletzungen der letzten Jahre nach, einer Beziehung, die irgendwann in Gewalt umschlug. Ein vereinsamter junger Mann surft ruhelos im Internet und postet Extremes und Verstörendes in der verzweifelten Hoffnung auf Aufmerksamkeit. Eine Frau wird beobachtet: die unzähligen Informationen, die sich über sie finden lassen, fügen sich zu keinem klaren Bild. Ist sie eine Terroristin oder einfach nur eine mit ihrem Großstadt-Alltag kämpfende alleinerziehende Mutter?

All diese Menschen finden keine Ruhe. Sie suchen nach der Begegnung mit einem Menschen, spiegeln dann letztlich doch nur sich selbst im Anderen und fliehen vor echter Nähe. Beziehungen kommen nur noch als Schwundstufe, als untote »verwirrende Schrottbeziehungen« vor: Menschen leben mit einer virtuell unendlichen Anzahl von Möglichkeiten, in der jedes Sich-Einlassen, jede Verbindlichkeit nur Stillstand und Rückschritt bedeuten. Stattdessen arbeiten sie. Bis zur Erschöpfung, bis zum Umfallen und ausschließlich an sich selbst: »busy. müde. tot.« Vereinzelt, narzisstisch, abgekämpft, trägt jeder von ihnen eine verdrängte Wut, eine Aggression in sich, die jederzeit unkontrolliert aus ihnen hervorbrechen könnte. Sie sind potentiell gefährlich. Sie alle leben heute; in einer Welt, in der jeder jeden überwacht, in der jeder permanent Daten von sich hinterlässt, selbst Überwacher und Überwachter ist. Eine Welt, in der sich das Leben, die Sehnsüchte, alles Fühlen und Handeln in auslesbare Daten vervielfacht haben – im Gegensatz zum menschlichen Leben als subjektive Erzählung, Erinnerung und Vergessen. Eine Welt, in der sich die Informationen über jeden Einzelnen unentwegt aufaddieren, aber kein klares Bild vermitteln. Eine Welt, in der jeder potentiell verdächtig ist. Von dieser Welt erzählen die Texte und Figuren in Falk Richters neuem Stück »NEVER FOREVER«.

Auch in den Körpern hat diese Welt Spuren hinterlassen. Die Choreographien von Nir de Volff und TOTAL BRUTAL erzählen in einer anderen Sprache davon. Mal verspielt und die eigenen Grenzen austestend, dann wieder existentiell und atemlos, als brutales, kraftvolles, Sich-Spüren-Wollen verzweifelter Großstadtkrieger, allein in ihren Apartments. Treffen zwei Körper aufeinander, dann meist als Zusammenprall, als Zerreißprobe: Wie viel von mir hält der Andere aus, wie lang, wie viel spüre ich mich im Anderen? Intimität, zarte, fast verletzliche Nähe zwischen zwei Körpern stellt sich oft blitzschnell her und hält nur einige flüchtige Sekunden. Ein Zusammenkommen jenseits der Sprache ist möglich. Manchmal verlassen jegliche Kontrolle, alles Rationale, jedes Bewusstsein die Körper. Manchmal sind die Körper wie von Dämonen besessen, verbrauchen, verschwenden sich und bleiben erschöpft zurück. In anderen Choreographien bricht die aggressive Seite glatter, konfliktloser gesellschaftlicher Oberflächen abrupt und unvermittelt hervor. Wie Wiedergänger kehrt in ihnen all das im Alltag Verdrängte zurück.

Text: Nils Haarmann

Text und Regie // Falk Richter
Choreografie // Nir de Volff / TOTAL BRUTAL
Bühne // Katrin Hoffmann
Kostüme // Daniela Selig
Musik // Malte Beckenbach
Dramaturgie // Nils Haarmann
Licht // Carsten Sander

Mit // Florian Bilbao, Katharina Maschenka Horn, Johanna Lemke, Ilse Ritter, Chris Scherer, Kay Bartholomäus Schulze, Tilman Strauß, Regine Zimmermann

Gastspiele

  • Venedig, August 2015

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