Zwei Jahre verfolgten die niederländische Choreographin Anouk van Dijk und der Regisseur Falk Richter gegenseitig ihre Arbeiten und besuchen sich bei ihren Aufführungen und Proben. Dabei entwickelte sich die Idee, eine gemeinsame Produktion mit Tänzern und Schauspielern zu erarbeiten. In dieses Projekt sollte sowohl die Erfahrung mit dem spezifisch niederländisch-flämischen Schauspielstil á la Needcompany einfließen, die Falk Richter während seiner Arbeit in Amsterdam machte, als auch die Begeisterung Anouk van Dijks für die Risikobereitschaft von Schauspielern im Umgang mit dem jeweiligen Theaterstoff. In ausführlichen Gesprächen und Korrespondenzen entwickelte sich ein intensiver Austausch über das Thema: Exzess, die Erfahrung von Extremzuständen als Versuch die eigene Isolation zu überwinden. Dieser Dialog wurde zum Ausgangspunkt ihres ersten gemeinsamen Projektes unter dem Titel: Nothing Hurts. Im Mittelpunkt stand die Verschränkung der Künste, indem sie die Texte von Falk Richter, Drum’n Bass und Dialoge in Bild- und Bewegungssprache zwischen Tanz und Schauspiel umsetzen.
Die zentrale Figur in Nothing Hurts ist eine junge Filmemacherin, die in brutalpoetischen Bildern das Szenario ihrer eigenen emotionalen Landschaften entwirft: Der Crash wird zu einer leidenschaftlichen Metapher in einer cleanen und sicheren Welt der westlichen Zivilisation, die den Menschen perfekt abfedert und ihn keine Verletzungen mehr spüren lässt. Auf der Suche nach echten Verwundungen und Zusammenstößen beginnt ein psychedelischer Trip, ein Exzess um seine eigenen Grenzen zu verlassen, um seiner Umwelt zu entfliehen, die nur noch in virtuellen Zusammenhängen wahrnehmbar ist. Kommunikation steigert sich ebenfalls exzessiv bis die Möglichkeiten, einfach verbal zu kommunizieren, misslingen.
„Man schleudert sich im Exzess über seine eigenen Grenzen hinaus, um neue Gefühle um Extremzustände zu erfahren. Man ist dabei seine eigene Testperson: Man begibt sich absichtlich in vorher konzipierte Szenarios und beobachtet sich dann und wertet sich selbst aus: Man dopt den eigenen Körper, steigert durch Chemikalien die eigene Leistungsfähigkeit, weiß genau, mit welcher Mischung man welche Glückszustände erreichen kann, kennt sich genau aus mit allen bewusstseinsbeeinflussenden Präparaten, um sich unabhängig von der Umwelt zu machen. Ich kann zu jeder Zeit glücklich sein, extrem leistungsfähig, relaxed chillen, bis zum Umfallen Energie haben und zwei Tage durchtanzen oder plötzlich anfangen die Welt zu erkennen, je nach Abstimmung der Substanzen.“ (Falk Richter)
Eine Koproduktion von Kampnagel Hamburg, Stichting A3ana, Springdance Festival Utrecht.
Mit Unterstützung Stg. Fonds voor de Podiumskunsten und Stg. K.F. Hein Fonds.
Text und Regie // Falk Richter
Choreographie // Anouk van Dijk, Jack Gallagher
Bühne und Kostüme // Katrin Hoffmann
Musik // Malte Beckenbach
Dramaturgie // Laura Minderhoud
Licht // Carsten Sander
Mit // Bibiana Beglau, Jack Gallagher, Sylvana Krappatsch, Anouk van Dijk
Gastspiele
- Theatertreffen Berlin 2000
- Tafelhalle Nürnberg 2000
- Rotterdam 2000
- Schauspielhaus Zürich 2000
- Spring Dance Festival Utrecht 1999
