PROTECT ME
PREMIERE 27/10/2010
Schaubühne Berlin
»Schöne Jugend, nacktes Alter, dazwischen Tanz: Ein Triptychon der Angst. Am stärksten sind aber die oft sprachlosen Bilder, die Richter und Anouk van Dijk immer wieder bauen. Links stellen sich die Jungen und Schönen in der Kabine aus. Rechts wartet der alte Vater mit nacktem Oberkörper auf den Sohn. Und in der Mitte wird getanzt.«
»Schöne Jugend, nacktes Alter, dazwischen Tanz: Ein Triptychon der Angst. Am stärksten sind aber die oft sprachlosen Bilder, die Richter und Anouk van Dijk immer wieder bauen. Links stellen sich die Jungen und Schönen in der Kabine aus. Rechts wartet der alte Vater mit nacktem Oberkörper auf den Sohn. Und in der Mitte wird getanzt.«
»Schöne Jugend, nacktes Alter, dazwischen Tanz: Ein Triptychon der Angst. Am stärksten sind aber die oft sprachlosen Bilder, die Richter und Anouk van Dijk immer wieder bauen. Links stellen sich die Jungen und Schönen in der Kabine aus. Rechts wartet der alte Vater mit nacktem Oberkörper auf den Sohn. Und in der Mitte wird getanzt.«
PROTECT ME entspinnt eine Suche: nach einem Titel, einer Richtung, einem Auftrag. Entwürfe und Optionen blitzen ebenso schnell auf wie sie verworfen werden. Zwischen Bestandsaufnahme und Rückblende sucht ein vierzigjähriger Autor selbstverloren Antworten im Kreise seiner engsten Vertrauten, die ihm so vertraut nicht (mehr) sind: Der sterbende Vater, den seine Angstträume in den Zweiten Weltkrieg zurückführen, die nur mit sich beschäftigte Freundin und immer wieder – als scheinbar letztes Refugium – ein Therapeut.
Vielschichtig reflektieren Falk Richter und Anouk van Dijk mit einem Ensemble aus Schauspielern und Tänzern eine Gesellschaft, die Gefühle im privaten Bereich ebenso delegiert und auslagert wie die Verantwortung auf dem wirtschaftlichen Sektor.
Eine Koproduktion mit anoukvandijk dc und dem europäischen Theaternetzwerk Prospero mit Unterstützung des Kulturprogramms der Europäischen Union, der Niederländischen Stiftung für Darstellende Kunst und der Gemeinde von Amsterdam.
„ich bin genauso wie das, was um mich herum passiert, ich verhalte mich genauso irrational wie dieser markt, der sich völlig unkalkulierbar und impulsiv gebärdet, und dem man nicht über den weg trauen kann wie ein psychisch schwer angeschlagener liebhaber, der mal depressiv herumliegt, dann wieder hysterisch überreagiert und mit tonnenweise geld beruhigt werden muss, den man keine sekunde allein lassen kann, ohne dass er dummes zeug macht, und der unentwegt damit droht, zusammenzubrechen oder sich abzusetzen in andere länder, wo er billiger und besser all das bekommen kann, was er bei uns vergeblich gesucht hat, und der umworben werden will, unentwegt, mit milliarden und noch mehr milliarden, und steuergeschenken und vergünstigungen. Dieser markt ist die letzte diva, für die wir wirklich alles geben würden. Und wie dumme jungs rennen wir hinter ihm her und versuchen, ihn in den griff zu bekommen, haben aber keine mittel dazu, keine instrumente, diesen hysterischen markt zu beruhigen. der will irgendwie immer gleich unser ganzes leben auseinander nehmen, unsere gesellschaft und unsere staatsform über bord werfen, der wirft uns hin und her, während wir noch irgendwo bei einem therapeuten sitzen und versuchen, herauszufinden WER WIR WIRKLICH SIND TIEF IN UNSEREM INNERN und lernen UNS AUF DAS WESENTLICHE ZU BESCHRÄNKEN verprasst dieser markt lustvoll unsere milliarden eine nach der anderen, macht sich mit unserer kreditkarte ein paar schöne tage, verbrennt alles, was wir so an rücklagen wohl verwahrt haben in den letzten jahren, tanzt und feiert und hat spaß, während wir wie die deppen einfach da sitzen und fassungslos zuschauen und keine ahnung haben, wie wir uns zu all dem, was da gerade passiert, in beziehung setzen sollen. wir gucken ja nurmehr zu, wir handeln ja überhaupt nicht mehr. und jetzt will ich endlich wieder leute sehen, die handeln, die ins handeln kommen, bei denen dieses wort krise einfach keine angststarre mehr auslöst, sondern die begreifen, dass dieses wort ein machtinstrument ist: wo wird gespart, wer ist als nächster dran, permanenter ausnahmezustand. die krise ist der neue ist-zustand unseres systems und die menschen werden unentwegt hin und hergerissen von den äußeren und inneren zuständen der unsicherheit, der panik, der angst, der sehnsucht, der hysterie, der suche nach einem anderen leben. keine gewissheiten mehr in den nächsten jahren, alles kann jederzeit immerzu weg brechen, wie lebe ich da? worauf setze ich? An wem oder was orientiere ich mich und wie ERFAHRE ich endlich wieder etwas substantielles? rückzug? stille? aufbruch?“
Regie und Choreographie // Falk Richter, Anouk van Dijk
Bühne // Katrin Hoffmann
Kostüme // Daniela Selig
Musik // Malte Beckenbach, Matthias Grübel
Dramaturgie // Bernd Stegemann
Licht // Carsten Sander
Mit // Philipp Fricke, Angie Lau, Erhard Marggraf, Franz Rogowski, Judith Rosmair, Kay Bartholomäus Schulze, Tilman Strauß, Luise Wolfram, Nina Wollny
Gastspiele
- Madrid, Februar 2012
- Sevilla, Februar 2012
- Amsterdam, April 2012
- Breda, April 2012
- Groningen, April 2012
- Athen, Mai 2012



