Unter Eis // Oper
PREMIERE 28/09/2007
Ruhrtriennale
»Mitten im von Arbeitslosigkeit betroffenen Ruhrgebiet geht es um die hohlen Phrasen der Effizienz-Berater, Personalabbau und die Albträume der Betroffenen. Das Ganze in der Jahrhunderthalle, einer riesigen ausrangierten Industrieanlage, zu Arneckes avantgardistischer Musik: Das Publikum reagierte mit minutenlangem begeistertem Beifall.«
»Mitten im von Arbeitslosigkeit betroffenen Ruhrgebiet geht es um die hohlen Phrasen der Effizienz-Berater, Personalabbau und die Albträume der Betroffenen. Das Ganze in der Jahrhunderthalle, einer riesigen ausrangierten Industrieanlage, zu Arneckes avantgardistischer Musik: Das Publikum reagierte mit minutenlangem begeistertem Beifall.«
»Mitten im von Arbeitslosigkeit betroffenen Ruhrgebiet geht es um die hohlen Phrasen der Effizienz-Berater, Personalabbau und die Albträume der Betroffenen. Das Ganze in der Jahrhunderthalle, einer riesigen ausrangierten Industrieanlage, zu Arneckes avantgardistischer Musik: Das Publikum reagierte mit minutenlangem begeistertem Beifall.«
„Demokratie ist schön und gut und sicherlich das höchste Ziel, und für eine intakte Gesellschaft mit einer gesunden, gut funktionierenden Wirtschaft auch das beste Gesellschaftsmodell, aber momentan denke ich, sind wir durch dieses System völlig blockiert.“
(Karl Sonnenschein in Falk Richters Unter Eis, Szene 7)
Der Unternehmensberater Paul Niemand beginnt an sich und an seiner Arbeit zu zweifeln. Bilder aus seiner Kindheit vermischen sich mit den Enttäuschungen aus seinem Berufsleben. Das wie auswendig gelernte Skandieren von Unternehmenswerten beginnt ihn zu verfolgen. Seine Kollegen mit ihrem zur Schau gestellten Erfolg schüchtern ihn ein. Der unter Hochdruck betriebene Aktivismuswahn erstreckt sich auch aufs Privatleben und entpuppt sich als leere Lebenshülse – das Musical, das Paul Niemands Kollegen konzipieren, wird zur absurden Darstellung von synthetisierter Pseudokultur: die Erlebnisse einer Robbe als Parabel menschlichen Strebens, inklusive Popsong und Robbenballett. Paul Niemands kindliches alter ego führt ihm die Konsequenz seines scheinbar sinnlosen Daseins vor Augen. Als zunehmend delirierender Einzelgänger entschwindet er nach und nach aus der als inhuman empfundenen Realität.
„Eine neue Oper in der Welt. Eine ganz neue Welt in der Oper: Zum ersten Mal haben ein Autor und ein Komponist ein Musiktheaterstück entworfen, das im Bereich der Unternehmensberatung spielt; mit einigem Recht kann man Unter Eis als die erste „Consulting-Oper“ der Musikgeschichte bezeichnen. Ein Berater steht in ihrem Mittelpunkt: Bei Paul Niemand (Bariton), etwa Mitte vierzig, läuft es seit einiger Zeit nicht mehr rund, die floskelvolle Leere seiner Arbeit bedrückt ihn, und lange verschüttete poetische Empfindungen wecken Erinnerungen an seine Kindheit und weitere Stationen seines Lebensweges. Zwei robustere Kollegen, Karl Sonnenschein und Aurelius Glasenapp – durch Schauspieler verkörpert – repräsentieren die souveräne Beherrschung des Branchenjargons. In einer raffinierten Mischung verschiedener Vokaltechniken, von normalem Sprechen über rhythmisierte Monologe bis zu weitgespannten, gesungenen Kantilenen prallen hier Hoffnungen und Enttäuschungen aufeinander, und es entfaltet sich die ganze Absurdität eines stromlinienförmig, nach „repräsentativen Umfragen“ optimierten Kulturbetriebs. Satire des Wirtschaftsberatungswahnsinns und Poesie des Scheiterns vereinen sich in einer der spannendsten Uraufführungen dieser Spielzeit: „Endlich mal keine Oper mit Mythen, Griechen, Römern, germanischen Göttern, verblasstem, mehr oder weniger historischem Personal. Sondern mit Dax-Menschen von heute, erfrischend gefühllosen Spekulanten, Abzockern, Börsenhaien. (…) Eine musikalische Farce, erfrischend zynisch, aber mit einem liebvollen Herzen. (…) Und sicher richtig für die koproduzierende Oper Frankfurt, wo mehr Top-Dog-Zielpublikum sitzt als im downgesizten Bochum.“
(Die Welt)
Libretto und Regie // Falk Richter
Komposition // Jörn Arnecke
Musikalische Leitung // Yuval Zorn
Bühne // Alex Harb
Kostüme // Tina Kloempken
Video // Meika Dresenkamp
Dramaturgie // Thomas Fiedler
Licht // Carsten Sander
Mit // Markus Brück, André Szymanski, Thomas Wodianka




